Evonik

Evonik investiert 100 Mio. US-Dollar in US-Wirkstoffproduktion

Evonik baut seine Kapazitäten für die Auftragsproduktion pharmazeutischer Wirkstoffe (CDMO) in den USA aus. Der Spezialchemiekonzern investiert in den kommenden fünf Jahren 100 Mio. US-Dollar in die Modernisierung seines Standorts Tippecanoe im US-Bundesstaat Indiana. Das größere Bild lautet: die USA bauen sich ein unabhängiges Pharmauniversum auf ihrem Kontinent.

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Mit der Investition reagiere das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach einer Wirkstoffproduktion in den USA, heißt es dazu in der offiziellen Verlautbarung die sich einreiht in Ankündigungen einer wachsenden Zahl von Life-Science-Unternehmen, die ihre Produktionspräsenz in Nordamerika ausbauen.

Modernisiert werden unter anderem 100-m³-Reaktoren sowie weitere Schlüsselanlagen. Ziel sind eine höhere Automatisierung, effizientere Prozesse und zusätzliche Kapazitäten für die Herstellung zunehmend komplexer pharmazeutischer Wirkstoffe (APIs). Evonik verweist insbesondere auf die wachsende Bedeutung hochkomplexer Moleküle für Indikationen wie Krebs-, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bereits seit 2010 ein Evonik-Standort

Der Standort Tippecanoe zählt zu den weltweit größten Produktionsstätten für pharmazeutische Wirkstoffe. Neben 860 m³ Reaktorkapazität für klassische APIs verfügt die Anlage über 170 m³ Kapazität für hochpotente Wirkstoffe (HPAPIs) sowie großtechnische Fermentationsanlagen mit insgesamt 2.500 m³ Volumen. Evonik hatte den Standort 2010 von Eli Lilly übernommen und zu einem CDMO-Standort für mehrere Kunden ausgebaut.

Mit der Investition verfolgt Evonik nach eigenen Angaben das Ziel, seine Produktionsbasis zwischen Europa, Asien und Nordamerika ausgewogener aufzustellen. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf geopolitische Unsicherheiten und den Wunsch vieler Kunden nach westlichen Lieferketten für kritische Arzneimittelwirkstoffe. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt Evonik Kunden bei der Entwicklung und Herstellung innovativer hochpotenter Wirkstoffe (HPAPIs, High Potency Active Pharmaceutical Ingredients) sowie komplexer pharmazeutischer Wirkstoffe (APIs, Active Pharmaceutical Ingredients). Das weltweite Produktionsnetzwerk des Unternehmens umfasst die Herstellung von Wirkstoffen, hochpotenten Wirkstoffen und Zwischenprodukten – von Mengen für klinische Studien bis hin zur großtechnischen kommerziellen Produktion. HPAPIs wirken bereits in sehr geringen Dosen und erfordern deshalb besonders geschützte Produktionsanlagen und Sicherheitsmaßnahmen. Typische Beispiele sind viele Krebsmedikamente, insbesondere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), sowie einige Hormon- und Immuntherapien.

Der Standort ist bereits groß, da mag die Investition im Verhältnis klein erscheinen, aber …

Damit folgt Evonik einem Branchentrend, wenn auch in einer anderen Größenordnung. Seit 2025 haben zahlreiche Pharmakonzerne milliardenschwere Investitionsprogramme für den Ausbau ihrer US-Produktion angekündigt. Novartis will in den kommenden fünf Jahren rund 23 Mrd. US-Dollar in Produktions- und Forschungsstandorte in den USA investieren. Roche kündigte Investitionen von 50 Mrd. US-Dollar in neue und bestehende Produktions- und Diagnostikstandorte an. Auch Johnson & Johnson (55 Mrd. US-Dollar), Eli Lilly (mehrere neue Werke im Rahmen eines Investitionsprogramms von mindestens 27 Mrd. US-Dollar), Merck & Co. mit neuen Biologika- und Impfstoffkapazitäten sowie weitere Hersteller haben ihre US-Fertigung in den vergangenen anderthalb Jahren massiv ausgebaut. Insgesamt summieren sich die angekündigten Investitionen der großen Pharmakonzerne inzwischen auf weit über 150 Mrd. US-Dollar.

Hinter dieser Investitionswelle stehen mehrere Faktoren. Neben der Nähe zum weltweit größten Pharmamarkt und den politischen Bestrebungen, Arzneimittel verstärkt „Made in the USA“ herzustellen, spielt die geopolitische Entwicklung eine zunehmend wichtige Rolle. Die USA und Europa versuchen seit einigen Jahren, ihre Abhängigkeit von asiatischen Lieferketten – insbesondere von China als wichtigem Produzenten pharmazeutischer Wirkstoffe, Vorprodukte und Feinchemikalien – zu verringern.

… im größeren Bild schaffen sich die USA gerade ihr ganz unabhängiges Pharmauniversum

Gleichzeitig erhöhen Diskussionen über Importzölle und nationale Beschaffungsprogramme den Anreiz, Produktionskapazitäten in den USA aufzubauen. Vor diesem Hintergrund erscheint auch Evoniks Modernisierung des Standorts Tippecanoe weniger als isolierte Standortentscheidung denn als Teil einer umfassenden Neuordnung globaler Pharma-Lieferketten.

Mit den großen Produktionskapazitäten die etwa die schweizerische Lonza in den USA aufbaut, die auch von anderen CDMOs vorgehalten oder erweitert werden, ist der Bereich der Biologika homemade in den USA auch durch weitere europäische Akteure und deren US-Standbein (wie etwa von Rentschler) mittlerweile wohl ausreichend aufgestellt. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird dort auch an einer besseren Herstellbarkeit von Zell- und Gentherapien gearbeitet, Skalierung und Kostenreduktion und damit eine größere „Demokratisierung“ dieser innovativen Therapeutika stehen im Vordergrund.

Doch auch die klassische Pharmawelt will man nicht kampflos abgeben, noch dazu, weil viele auch der neuesten Therapieoptionen oft Kombinationsansätze sind gemeinsam mit recht klassischen Therapeutika aus dem Feld der Zytostatika und Chemotherapeutika. Auch hierfür die Legobausteine der chemischen Synthese auf dem eigenen Kontinent zu haben, das ist die größere Strategie der US-Regierung.

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